Weichteilrheuma

Man fühlt sich morgens wie gerädert, die Finger fühlen sich steif und leicht verdickt an, der Nacken und die Region zwischen den Schulterblättern schmerzt, beim Ein- und Ausatmen strahlen die Schmerzen bis zum Brustbein nach vorne aus, das Liegen auf der Seite bereitet ischiasartige Beschwerden, nach leichteren Belastungen schmerzen sämtliche Glieder wie ein heftiger Muskelkater, hinzu kommen Schwindelgefühle mit Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Herzrhythmusstörungen, oder ein so genanntes „Colon irritable“ mit Wechsel von Durchfällen und Verstopfungen.

Sowohl die Komplexität als auch die Heftigkeit der geklagten Beschwerden wirken beängstigend. Sämtliche organische Untersuchungen wie EKG, Magen- oder Darmspiegelung, sowie Blutanalysen ergeben jedoch einen völlig unauffälligen Befund. Im Röntgen werden meist nur dem Alter des Patienten entsprechende degenerative Veränderungen festgestellt.

Also ein Simulant oder eine psychosomatische Erkrankung?! Keinesfalls!

Arbeitsdiagnose „Weichteilrheuma“

Arbeitsdiagnose „Weichteilrheuma“

Oft wird die Arbeitsdiagnose „Weichteilrheuma“ gestellt, weil an typischer Lokalisation über den Sehnenansätzen der Muskulatur druckschmerzhafte Areale mit oft typischem Verteilungsmuster festgestellt werden können (die so genannten Tender- und Triggerpoints).

Dies gilt für den gesamten Bewegungsapparat, also der gesamten Wirbelsäule, sowie oberer und unterer Extremitäten. Über die Sehnen erfolgt die Kraftübertragung der Muskulatur auf die Knochen, um so Halte- und Bewegungsfunktionen zu ermöglichen. Es handelt sich folglich um hochbeanspruchtes Gewebe, welches gleichzeitig relativ schlecht durchblutet ist. Kommt es zur Verspannung der Muskulatur infolge eines Schmerzreizes, steigt der Druck in der zugehörigen Sehne weiter an, die Durchblutung verschlechtert sich, und es kommt zu einer als Schmerz empfundenen Sauerstoffmangelsituation. Diese verstärkt die reflektorische Muskelverspannung – eine Schmerzspirale ist entstanden.

Genetisch bedingt haben ca. 15 - 20 % der nordeuropäischen Bevölkerung keine spontanen Rückbildungsmechanismen für solche Beschwerden. Ohne effektive Behandlung kommt es daher sehr leicht zur Chronifizierung solcher Beschwerden. Darüber hinaus beinhaltet diese Schmerzspirale eine Eskalations- und eine Generalisierungstendenz, d. h. häufig empfundener Schmerz wird als stärker wahrgenommen, gleichzeitig weitet sich das betroffene schmerzhafte Körperareal aus (so genannter Wanderschmerz).

Durch Verknüpfung der Schmerzleitungsbahnen mit den vegetativen Nervenbahnen (Sympathikus und Vagus), sowohl auf peripherer als auch zentraler Ebene (im Gehirn), kommt es zu den manchmal sehr heftigen und beängstigenden vegetativen Begleiterscheinungen wie oben geschildert.

Ohne Behandlung steht am Ende die Fibromyalgie

Ohne Behandlung steht am Ende die Fibromyalgie

Unbehandelt steht am Ende einer solchen Eskalations- und Generalisierungsspirale das Vollbild der so genannten Fibromyalgie.

Es handelt sich also nicht um eine entzündliche Erkrankung im rheumatologischen Sinn. Die üblicherweise verordneten so genannten NSAR (Diclofenac, Ibuprofen, Piroxican) sind daher meist nur wenig oder für kurze Zeit wirksam. Sie wirken nur im akuten Stadium, sind jedoch nur sehr begrenzt erfolgreich wenn bereits eine Chronifizierung eingesetzt hat. Muskelentspannende Präparate auf Tetrazepambasis bergen bei zu häufiger Einnahme ein Suchtrisiko, während die  oben genannten NSAR auf Umwegen die Magenschleimhaut angreifen, ganz gleich ob sie als Zäpfchen, Spritze, Resinat oder Tablette eingenommen werden.

Die derzeitigen Modemedikamente aus der Gruppe der selektiven COX2 - Rezeptoren Hemmer bergen ein erhöhtes kardiovaskuläres Nebenwirkungsrisiko (Herzinfarkt, Schaganfall, Beinvenethrombose und Lungenembolie). All dies lässt die Verwendung dieser Präparate in der Langzeit-Schmerztherapie ungeeignet erscheinen.

Behandlungsmethoden

Behandlungsmethoden

Hier schafft nur eine zeitgemäße orthopädische Schmerztherapie Abhilfe.

Durch die Kombination moderner, äußerst nebenwirkungsarmer, das periphere und zentrale Schmerzniveau senkende Medikamente, lässt sich heute die dargestellte Schmerzspirale (mit so genannten Natrium-Kanalblockern) durchbrechen und bei gleichzeitiger Beseitigung der lästigen vegetativen Begleiterscheinungen, lässt sich die Lebensqualität des Patienten erheblich verbessern.

Eine solche Behandlung sollte immer mit einem aeroben Kraftausdauertrainig und einer sinnvollen Ernährung (dieta mediteranea!) kombiniert werden.
Wichtig ist, jede neue Schmerzsymptomatik im Muskelsehnenbereich von Anfang an ernst zu nehmen und nachhaltig ausheilen zu lassen, damit eine solche Eskalationsspirale gar nicht erst in Gang gebracht wird.

Neben der seit langem bekannten Elektro- und Ultraschalltherapie, krankengymnastischen Dehnungsbehandlungen, sowie örtlichen Infiltrationen stellt die Behandlung mit niederenergetischen Stoßwellen eine sehr Erfolg versprechende Alternative dar, da hierdurch neben dem schmerztherapeutischen Effekt reparative Vorgänge an Sehnen, Muskeln und Bändern ausgelöst werden.