Schulteroperationen

Das menschliche Schultergelenk wird aus dem kugelförmigen Oberarmkopf und einer relativ kleinen und flachen Gelenkpfanne gebildet. Zur seiner Stabilisierung reicht daher die Gelenkkapsel alleine nicht aus. Die das Schultergelenk umgebende Muskulatur muss einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Gelenkes beitragen. Das Schultergelenk wird an seiner Vorder-, Ober- und Rückseite von einer Muskelmanschette umgeben. Diese stabilisiert den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne. Gleichzeitig sind diese Muskeln für die möglichen Drehbewegungen des Oberarmes verantwortlich und werden daher auch als Rotatorenmanschette bezeichnet.

Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten entstehen bei der Vorhebe- und Abspreizbewegung im Schultergelenk, sowie ganz besonders bei Überkopfarbeiten, knöcherne Engpässe für die Sehnen dieser Rotatorenmanschette. In diesen natürlichen Engpässen unterliegen die Sehnen einem besonders hohen Verschleiß. Auch treten Schulterverletzungen in diesen Bereichen besonders häufig auf. Verschleiß und / oder Verletzungen an den Sehnen der Rotatorenmanschette sind häufig begleitet von hochgradig schmerzhaften Entzündungen des umgebenden Sehnengleitgewebes.

Bei lang anhaltendem Beschwerdeverlauf kann es sogar zu Kalkablagerungen innerhalb der Sehnen kommen. In schweren Fällen kann es durch Verschleiß oder Verletzung zu einer mehr oder weniger ausgedehnten Rissbildung im Bereich der Rotatorenmanschette kommen. Dies ist mit stärksten Schmerzen sowie einer Unfähigkeit den betroffenen Arm anzuheben verbunden.

Das Ausmaß des vorliegenden Schultergelenkschadens wird anhand der vom Patienten geschilderten Beschwerdesymptomatik, dem klinischen Untersuchungsbefund, einer Röntgen und Ultraschalluntersuchung und ggf. durch zusätzliche computer- oder kernspintomographischen Untersuchungen vom Facharzt festgestellt. Sofern kein Riss der Rotatorenmanschette vorliegt, kann ein den Beschwerden zugrunde liegender Sehnenengpass durch eine Schultergelenksarthroskopie beseitigt werden.

Eine Schulterarthroskopie kann ambulant durchgeführt werden. Nach entsprechender Operationsvorbereitung (Röntgen, Labor, EKG) erfolgt der Eingriff im Operationssaal in Halsplexus-Anästhesie (Regionalanästhesie). Über zwei, seltener drei ca. 8mm lange Schnitte werden die Operationsinstrumente und eine mit einer Videokamera versehene Glasfaseroptik in das Gelenk eingeführt. Der Gelenkinnenraum wird unter starker Vergrößerung auf einem TV-Monitor dargestellt. Alle gelenkbildenden Strukturen können genau untersucht werden. Verschleißbedingte Aufrauungen des Gelenkpfannenrandes, des Gelenkknorpels oder der Sehnen können geglättet werden. Entzündete Gelenkschleimhaut kann entfernt werden.

Schema Schulter

Der für einen verstärkten Verschleiß der Rotatorensehnen verantwortliche Knochenengpass wird mit einer Knochenfräse arthroskopisch erweitert. Ein zur Gelenkerguss-Ableitung im Operationssaal eingelegter Drainageschlauch wird am Tag nach dem Eingriff entfernt. Der Arm wird in einem Spezialverband für wenige Tage ruhig gestellt. Die Schulter wird mit Eis gekühlt. Ein entzündungshemmendes Schmerzmedikament wird in ausreichender Menge verabreicht.

Die meisten Patienten können bereits am späten Nachmittag nach der Operation nach Hause gehen. Die für eine erfolgreiche Schulteroperation unverzichtbare intensive mobilisierende und kräftigende krankengymnastische Nachbehandlung beginnt am Tag nach der Operation.

Bei ausgedehnten Schultergelenkschäden mit Rissbildungen im Bereich der Rotatorensehnenmanschette sollte der oben geschilderte Eingriff über einen ca. 6 cm langen Schnitt offen durchgeführt werden. Die zerrissene Sehne wird genäht und der Knochenengpass erweitert. Dieser Eingriff wird ambulant durchgeführt.

Da eine gerissene Rotatorensehne ca. 6 Wochen zur Heilung braucht kann mit kräftigenden Übungen erst nach Ablauf von 6 Wochen begonnen werden. Eine intensive mobilisierende krankengymnastische Beübung beginnt jedoch am Tag nach der Operation und ist für den Erhalt einer guten Schultergelenkbeweglichkeit unverzichtbar.

Die Nachbehandlung von Schulterverletzungen ist oft langwierig und kann nicht immer ganz ohne Schmerzen durchgeführt werden. Die eigene intensive Mitarbeit ist daher eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Behandlung. Je nach Schwere der Verletzung kann mit einer weitgehenden Wiederherstellung der Schultergelenkbeweglichkeit und Belastbarkeit nach 3 bis 6 Monaten gerechnet werden.