Ursache - Verlauf - Behandlungschancen

Arthrose, der medizinische Begriff für Gelenkverschleiß, betrifft Menschen ab ca. dem 50. Lebensjahr. Vorrangig sind die großen Gelenke (Knie- und Hüftgelenke) an den unteren Extremitäten betroffen.

Ganz am Anfang dieses Verschleißprozesses ist nur die Gelenkknorpeloberfläche von den typischen degenerativen Umbauprozessen betroffen. Um diese Umbauprozesse verstehen zu können muss man den grundsätzlichen Aufbau eines Gelenkes kennen:

Bei einem Gelenk handelt es sich um die bewegliche Verbindung von zwei Knochen, deren miteinander artikulierende Enden mit Gelenkknorpel als Gleitoberfläche überkleidet sind. Eingeschlossen ist dieses Gelenk von einer mit Gelenkschleimhaut ausgekleideten Gelenkkapsel. Die Kapsel und umgebende Verstärkungsbänder stabilisieren das Gelenk. Die Gelenkschleimhaut produziert die den Gelenkknorpel ernährende Gelenkschmiere. Die das Gelenk übergreifende Muskulatur stabilisiert und bewegt die so miteinander verbundenen Knochenenden.

Alle genannten Strukturen sind im Laufe der Zeit von degenerativen Umbauprozessen im Rahmen der Gelenkarthrose betroffen. Der die Gelenkoberfläche formende Gelenkknorpel besteht zu ca. 90° aus Wasser und zu etwa 10° aus langkettigen Eiweißmolekülen welche die Aufgabe haben das Wasser in der entsprechenden Gelenkform zu binden und zu halten.

Die Ernährung des Gelenkknorpels erfolgt von der Gelenkseite her über die von der Gelenkschleimhaut produzierte Gelenkflüssigkeit. Der Gelenkknorpel hat je nach Gelenk eine Dicke von ca. 1 bis 5 mm. Nur die äußerste Knorpelschicht ist im Erwachsenenalter in der Lage bei kleinen Verletzungen oder einsetzendem Knorpelabrieb Reparaturvorgänge einzuleiten.

Aber auch diese Reparaturvorgänge führen nur zur Bildung einer mechanisch minderwertigeren Reparaturknorpeloberfläche mit verminderter Belastbarkeit, - das heißt selbst schon bei kleinsten Verletzungen der Knorpeloberfläche ist eine vollständige Wiederherstellung im Sinne einer Heilung nicht mehr möglich.
Im weiteren Verlauf der Arthrose wird zunehmend Gelenkknorpel abgerieben, der Gelenkknorpel verliert hierbei an Wasser und wird faserig und spröde.

Gleichzeitig finden Umbauvorgänge in den Knochenenden unterhalb der Knorpeloberfläche statt. Der den Gelenkknorpel tragende Knochen hat normalerweise eine schwammartige elastische Struktur, welche Stöße dämpft und absorbiert, um so, den im gesunden Zustand sehr (hydrostatisch) festen und an seiner Oberfläche sehr glatten Gelenkknorpelüberzug zu schützen.

Bei einsetzender Arthrose verliert der schwammartige Knochen seine Elastizität und wird vom Körper an seinen Enden unterhalb des Gelenkknorpels in einen glasharten unelastischen (sklerotischen) Knochen umgebaut.

Sowohl das spröder Werden des Gelenkknorpels durch den eingetretenen Wasserverlust, als auch der Elastizitätsverlust der den Gelenkknorpel tragenden Knochen beschleunigen den degenerativen Abrieb der Gelenkknorpeloberfläche, bis am Ende zwei glasharte Knochenenden direkt aufeinander reiben.

Die bei diesem Verschleißprozess freigesetzten Abriebpartikel werden von der Gelenkschleimhaut aufgenommen. Werden bei starkem Verschleiß zu viele Abriebpartikel in das Gelenk freigesetzt, wird die Gelenkschleimhaut hierdurch überfordert. Es kommt zur schmerzhaften Entzündung und Schwellung des Gelenkes, gelegentlich auch mit Ausbildung eines so genannten Gelenkergusses, das heißt die Gelenkschleimhaut pumpt zu viel und krankhaft veränderte Gelenkflüssigkeit in das arthrotisch veränderte Gelenk. Diese Flüssigkeit enthält Enzyme welche den Gelenkknorpel angreifen und aufweichen, und so den Arthroseprozess weiter beschleunigen.

Ursachen für die Entstehung einer Gelenkarthrose

Ursachen für die Entstehung einer Gelenkarthrose

Als Ursache für die Entstehung einer Gelenkarthrose kommen vor allem bei Menschen über 60 Jahren genetische/erbliche Faktoren in Betracht. Treten Arthrosen in jüngeren Jahren auf, handelt es sich meist um so genannte sekundäre Arthrosen, welche als Folge von Verletzungen (z.B. Meniskusrisse am Kniegelenk), Überlastungen, Fehlstellungen der Knochenenden, Gelenkinfektionen oder nach entzündlichen rheumatischen Erkrankungen auftreten.

Übergewicht gilt nicht bei allen Arthrosen als auslösender Faktor, jedoch beschleunigt Übergewicht den ungünstigen Verlauf einer Gelenkarthrose an den unteren Extremitäten ganz erheblich.

Das Frühstadium der Arthrose (bei dem nur die äußerste Knorpellamelle betroffen ist) ist nur von sehr flüchtigen Beschwerden begleitet und wird daher nur in den seltensten Fällen vom Arzt diagnostiziert. Jedoch nur in diesem Stadium sind Injektionen von gentechnisch hergestellten (humanidentischen und fremdeiweißfreien) Hyaluronsäure-Extrakten in die betroffenen Gelenke zur Herstellung eines optimalen Knorpelheilmediums sinnvoll. Neben physiotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen kann hierdurch die Wasserwiederaufnahme durch den Gelenkknorpel und die glatte Oberflächenabheilung begünstigt werden.

Wird in einem weiter fortgeschrittenen Arthrose-Stadium in die Gelenke injiziert kommt es zwar gleichfalls zu einer kurzfristigen (meist mehrere Wochen anhaltenden) subjektiven Beschwerdebesserung, der Knorpelschaden bleibt jedoch unbeeinflusst. Im Gegenteil, durch die geringeren Beschwerden wird der Patient aktiver und beansprucht sein vorgeschädigtes Gelenk verstärkt, gleichzeitig wirken die meisten injizierten Substanzen erweichend auf die Knorpeloberfläche, so dass mittelfristig eher ein ungünstiger Effekt mit beschleunigtem Gelenkverschleiß durch unsachgemäße und meist zu häufig wiederholte Injektionsbehandlungen bewirkt wird.

Gelenkarthrose ist also eine im Sinne der vollständigen Wiederherstellung nichtheilbare Erkrankung.

Behandlungschancen – Was also kann man tun?

Behandlungschancen – Was also kann man tun?

Das Ziel einer jeden Arthrose-Behandlung ist die Linderung der schmerzhaften Gelenkentzündung, das heißt die Überführung einer akut schmerzhaft aktivierten Gelenkarthrose in einen beschwerdearmen, nur langsam fortschreitenden chronischen Verlauf bei gleichzeitigem Funktionserhalt des Gelenkes. Es kommt ein breites therapeutisches Spektrum zur Anwendung welches vom Arzt auf die jeweilige Situation abgestimmt wird.

 

Salben, Gele und Entzündungshemmer

Örtliche, als Salben oder Gele und systemisch als Medikament verabreichte, so genannte Entzündungshemmer aus der Gruppe der nichtkortisonhaltigen Antirheumatika.
Über die Hemmung der Entzündungsreaktion in der Gelenkschleimhaut wirken diese Präparate abschwellend und somit schmerzlindernd. Nahezu alle zu dieser Medikamentengruppe gehörenden Medikamente reizen die Magenschleimhaut und können nach langer und hochdosierter Einnahme zu Magengeschwüren führen. Daher sollte immer ein Magenschutzpräparat mitverordnet werden.


Selektive COX2-Hemmer

Neuere, so genannte selektive COX2-Hemmer sollen den Magen angeblich nicht angreifen, aktuelle klinische Studien bestätigen dies jedoch nur teilweise. Dagegen ist heute ein hohes kardiovaskuläres Nebenwirkungsrisiko (Beinvenenthrombosen, Lungenembolien, Herzinfarkt und Schlaganfall) besonders bei Einnahme von Medikamenten aus dieser Medikamentengruppe bekannt.


Intraartikuläre Kortison-Injektion

Die unter höchsten hygienischen Vorsichtsmaßnahmen durchgeführte intraartikuläre Kortison-Injektion kann bei hoch akut aktivierten Gelenkarthrosen durchaus segensreich sein, sollte jedoch niemals als alleinige Behandlungsmaßnahme durchgeführt werden.


Hyaluron Spritzen

Hyaluron Spritzen in das betroffene Gelenk sind wie bereits oben erwähnt nur unter Berücksichtigung der Ausschlußkriterien (O – Bein, X – Bein, Streckdefizit, Beugedefizit, Knochen auf Knochen im Röntgenbild, akute Gelenkentzündung) indiziert - dann aber außerordentlich erfolgreich. Wir können auf zahlreche über 10 jährige Behandungsveräufe zurückblicken wo durch eine einmal jährliche Hyaluroninjektion die Notwendigkeit einer endoprothetischen Versorgung über viele Jahre hinausgezögert werden konnte.


Enzymtherapie

Für die vielerorts propagierte Enzymtherapie steht der wissenschaftlich fundierte Wirknachweis bis heute aus, - es handelt sich wie bei vielen Arthrosemittelchen um die Nutzung des Placeboeffektes und die Tatsache, dass Arthrosebeschwerden in Schüben verlaufen und es ganz spontan auch bei chronischem Fortschreiten der Arthrose immer wieder zu beschwerdearmen, oder gar beschwerdefreien Intervallen kommt. Gleiches gilt für die Magnetfeldtherapie.


Vitamin D und E

Vitamin D und E wirkt sich wie bei allen entzündlichen und auch rheumatischen Erkrankungen günstig auf den Krankheitsverlauf aus.


Arthroskopie (Gelenkspiegelung)

Bei mittelschweren Arthrosen an Knie-, Sprung- und Schultergelenken, welche auf konservative Maßnahmen nicht ausreichend ansprechen, kann mit einer Arthroskopie (Gelenkspiegelung), das heißt mit einem minimalinvasivem operativen Eingriff die Gelenkoberfläche geglättet, beim Knie der eventuell defekte Meniskusanteil entfernt, Abriebpartikel ausgespült und entzündlich veränderte Gelenkschleimhaut entfernt werden.
Dies führt meist zusammen mit einer sorgfältigen krankengymnastischen Nachbehandlung zu einem verlangsamten Verlauf der Gelenkarthrose unter deutlich geminderten Beschwerden.


Künstlicher Gelenkersatz

Am Ende des Verschleißprozessen, wenn Knochen auf Knochen reibt, Fehlstellungen entstanden sind, Behinderungen beim Gehen und alltäglichen Verrichtungen (wie Be- und Entkleiden, Schuhe binden, aufstehen aus dem Sitzen, etc.) die Lebensqualität beeinträchtigen, steht die endoprothetische Versorgung, das heißt der Einbau eines künstlichen Gelenkersatzes als einzige Lösung.
Hierdurch wird in ca. 97% der Fälle eine nahezu schmerzfreie Wiederherstellung von Belast- und Bewegbarkeit des betroffenen Hüft- oder Kniegelenkes erreicht. Die Haltbarkeitserwartungen bei Versorgung mit einem modernen Implantat und korrekter chirurgischer Implantationstechnik liegen bei ca. 87 % für das Hüftgelenk und ca. 93 % für das Kniegelenk nach einem Zeitraum von 10 Jahren. Das heißt, ein Großteil aller implantierten Hüft- und Kniegelenke halten ca. 15 bis 20 Jahre. In diesem Zusammenhang muss von der mancherorts propagierten Roboterunterstützten Implantationstechnik dringend abgeraten werden. Sie ist in Deutschland per BGH Urtei seit 2001 verboten worden.
Aktuelle klinische Studien zeigen, dass so implantierte Kunstgelenke eine deutlich höhere Komplikationsrate als bei konventioneller Vorgehensweise haben. Die erforderliche, mehr als doppelt so große Operationswunde, die längere Operationsdauer und die aufwendigeren und Platzfordernden Operationsinstrumente führen zu höheren Infektionsraten, längerer Heilungsdauer und damit zu einem verlängerten Rehabilitationszeitraum. Und dies bei einem keineswegs präziseren Sitz, geschweige denn einer verlängerten Haltbarkeit.

Hier wird wohl auch noch in den nächsten Jahren weiterhin das technische Können und chirurgische Geschick des Operateurs für das Langzeitergebnis von entscheidender Bedeutung bleiben.

Mit den geschilderten evidenzbasierten Diagnose- und Behandlungsverfahren hat der deutsche Orthopäde Dr. Albrecht Wackerhagen, Denia, Costa Blanca, in den vergangenen 21 Jahren tausenden Patienten zu Mobilität und verbessertem Befinden beigetragen.